Berliner Morgenpost

"Ich halte alte Werte hoch"

Christine Douviers Berliner Konzertagentur pflegt die Kammermusik-Szene

Von Volker Tarnow, 11. Januar 2006

Christine Douvier

Sie ist eine erfrischende Erscheinung und sorgt für entsprechend frischen Wind im deutschen Konzertleben. Wie die großen Agenturen der Berliner Musikgeschichte, man denke an die Dynastien namens Wolff oder Adler, so begann auch Christine Douvier ihr Engagement aus purer Leidenschaft. Ob jedoch auch ihre "Agentur für Kammermusik", gegründet 2002, im Laufe der Zeit zu einem riesigen Marktinstrument mutieren wird, zu einer machtbewussten und beherrschenden Institution, das ist sehr zweifelhaft. Christine Douvier leugnet solche Ambitionen, und wir nehmen es ihr ab.

Denn die bekennende Berlinerin ist Überzeugungstäterin. Sie wird schon allein deswegen nicht zum Orchestermanagement übergehen, weil sie besessen ist von Kammermusik, von kleinen Besetzungen also, die die wahren Perlen der Tonkunst hüten. "Ich habe mich spezialisiert auf hauptberufliche und leidenschaftliche Kammermusiker mit kultiviertem Ensembleklang." Das Portefeuille ist übersichtlich und handverlesen. "Ich hatte das Glück, mit sehr erfolgreichen und namhaften Ensembles starten zu können. Das hat mir den Einstieg erleichtert." Zu ihr gehören u. a. das St. Petersburger Streichquartett, das indonesische Klavierduo Sonja und Shanti Sungkono, Kanadas Altmeister des Klaviers Anton Kuerti und nicht zuletzt das Jacques Thibaud Streichtrio. Mit den Thibauds hat auch alles angefangen, denn da spielt Ehemann Philip Douvier die Bratsche.

"Das Jacques Thibaud Trio schmorte bei einer Agentur als Karteileiche. Und das zu einer Zeit, als ihre Auftritte in den USA bereits gefeiert wurden, auch von der New York Times. Da habe ich mir gesagt: Die Sache nimmst du selbst in die Hand!" Gesagt, getan. Ihre Ausbildung als Hotelkauffrau kam ihr dabei zugute und natürlich ihre langjährige Musikerfahrung in einem Chor. Was fehlte, hat sie sich selber beigebracht, learning by doing, wie sie sagt. Nicht einmal ihre Pflichten als Mutter dreier Kinder gefährdeten die "Nebentätigkeit', der sie bis heute in den eigenen vier Lichterfelder Wänden nachgeht. Nur der geliebte Reitsport blieb auf der Strecke; der Badmintonschläger bietet sportlichen Ersatz. Was Christine Douviers Arbeit so erfolgreich macht, sind feste Überzeugungen, sind Inhalte und Zusammenhänge, die vom Aussterben bedroht und gleichwohl unsterblich sind. Sie unterwirft sich nicht den Gesetzen eines immer stärker kommerzialisierten Klassikgeschäfts, sondern will ihm selber ihren Stil aufprägen. "Meine Musiker folgen nicht dem Mainstream und machen auch keinen Cross-over - ich halte sozusagen die alten Werte hoch." Das bedeutet gediegenes, klassisches Repertoire und durchaus auch Raritäten. Die Entdeckung, dass es zeitgenössische Musik auf dem gleichen Niveau gibt, steht Frau Douvier noch bevor.

Man darf einstweilen froh sein, wenn sich Macher wie sie den üblichen Modemätzchen widersetzen. "Eine große Plattenfirma hat vor Jahren einmal dem Thibaud-Trio einen Vertrag angeboten", berichtet sie belustigt. "Bedingung: Die drei sollten in lila Fräcken auftreten. Da haben wir natürlich abgelehnt."

Aber läuft es wirklich ohne einen Global player, kann man davon gut leben? "Man kann davon leben - mit gutem Gewissen." Mittlerweile expandiert die Agentur mehr und mehr, Christine Douvier, die auch die Pressearbeit selbst erledigt, stößt aber langsam an die Schallmauer der Belastung. Was sie nicht abhält, ihre Tätigkeit in Richtung Österreich und Schweiz auszudehnen und ihr hauseigenes CD-Label "Sophia CLASSICS" zu gründen, dessen erste Pressung bereits vorliegt (Mozart, Schubert und Françaix mit dem Jacques Thibaud Streichtrio). Die Planung einer eigenen Konzertreihe in Steglitz beschäftigt sie momentan sehr. Genügend Zulauf wird es geben.

© Berliner Morgenpost 2006

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